Baumart:
Doppelter Ahorn

Ahorn
Acer pseudoplatanus
PLZ:
87477
Ort:
Sulzberg
Foto:
Gabi Schindele
Was mich als Baum so besonders macht:
Wir sind ein (bzw. zwei) alter Ahorn, der einen doppelten Stamm hat, die über die Zeit zusammenwuchsen und deren Äste sich umarmen. Ich lebe seit Generationen hier und kann viele Geschichten über das Zeitgeschehen der Menschen und ihre Veränderungen berichten. Menschen, denen ich Zuversicht gab, Schutz bot und Schatten spendete. Außerdem gebe ich vielen Vögeln und Insekten ein Zuhause. Ich bin Zeitzeuge von etwa 150-180 Jahren. Ich bin sehr groß und verbessere das Mikroklima.
Woran ich mich als Baum besonders gut/gerne erinnere:
Ich stehe an einem Wegrand. Auf diesem wurden Kühe und andere Tiere auf die Weide getrieben. Am Brunnen mir gegenüber tranken die Tiere und auch Menschen das kühle Wasser. Ich stand in einer Reihe, die eine Hecke aus Schlehen, Holunder, Heckenrosen, Weißdorn, Vogelbeeren, Sauerkirschen, Haselnusssträuchern und anderen Bäumen bildete, der Weg war eingerahmt davon. Menschen blieben oft vor mir stehen, so auch Großmutter Theresia. Sie erzählte ihren Enkeln von damals, der kargen Zeit, wo große Hungersnot herrschte und Krieg war. Sie erzählte über die Früchte, die sie von den Sträuchern und Bäumen ernteten, von den Haselnüssen, die sie den Soldaten in den Krieg schickte, in der Hoffnung, dass sie ankommen und Ihnen etwas über den Hunger helfen. Von mir, dem umarmenden Ahorn, sagte sie zu den Enkeln, "schaut, wie diese Äste sich umarmen, gegenseitig Halt geben, sich stützen, alles gemeinsam durchstehen und teilen. Immer wenn ich einsam, hoffnungslos war, nicht mehr weiterwusste, Angst hatte, ging ich zu diesem wunderschönen Ahorn-Baum und kehrte mit der Hoffnung zurück, dass die Menschen sich eines Besseren besinnen und sich ein Beispiel nehmen". Sie sagte zu uns, "achtet alles aus der Natur, denn sie gibt uns die größten Geschenke ohne Bedingung und ohne Gegenleistung. Das hat uns damals oft in größter Not das Überleben gesichert".
Das ist mein größter Wunsch an euch:
Seid mehr in der Natur, achtet sie, nehmt sie bewusst in ihrer Vielfalt und Schönheit wahr. Und erhaltet sie. Ohne Bäume wie mich, ohne intakte Natur, kein intaktes Leben. Seid euch dessen bewusst. Ein alter Baum wie ich erzeugt so viel Sauerstoff, für den über Hundert neue Bäume gepflanzt werden müssten. Deshalb achtet auf mich und meine Artgenossen, auf unsere Wurzeln, den Stamm, die Äste und dass wir ausreichend Wasser haben. Und vor Vernichtung beschützt werden.
